Kirchenburg Viscri,
Viscri, (dt. Deutsch-Weißkirch / Weißkirch /
Deutschweißkirch, ung. Szászfehéregyháza /
Szászfehéregyház)
Photos © by Andy Winkler
| Allgemeine Informationen & Geschichte | Bilder & Fotos |

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Anfahrt: |
Von Brasov nördlich /
von Sighisoara südlich auf der -13- / E60 Richtung Rupea bis Bunesti, an der
dortigen Kirchenburg nach Viscri abbiegen (größtenteils unbefestigter, aber
geschotterter und gut befahrbarer Weg.
Achtung: Die
Abzweigung nach Viscri, relativ am Ortsausgang von Bunesti Richtung
Sighisoara, ist leicht zu übersehen). In Viscri von Bunesti kommend rechts (von Dacia aus links) die geschotterte Dorfstraße hochfahren, nach dem Kiosk (oben auf der rechten Seite) die erste Straße rechts. Kostenlose Parkmöglichkeiten vor dem Eingang der Kirchenburg. Für rückseitige Aufnahmen der Kirchenburg (mit dem vorgelagerten Friedhof) nach dem Kiosk die zweite Straße rechts (wegen schlechtem Weg besser vorher parken und das kurze Stück hochlaufen). Von dieser Seite jedoch kein Zugang (verschlossenes Tor). |
| Besichtigung: |
Die Besichtung ist je nach Jahreszeit ca. zwischen 10.00 / 11.00 Uhr -
17.00 / 18.00 Uhr mit der Burghüterin Frau Dootz
möglich, welche in Hausnummer 141 wohnt (in Viscri gibt es
keine Straßennamen, nur Hausnummern. Ihr blaues Haus steht oben links auf der
breiteren Straße, welche im Dorf bergan führt). In den Sommermonaten ist
Frau Dootz oder ihre Tochter tagsüber auf der Kirchenburg anwesend. Eintritt 5 RON. |
| Übernachtung: |
Das bescheidene Burghüterhaus der Kirchenburg kann kostengünstig
angemietet werden (drei Betten, Heizung, zeitweise Dusche & WC mit Regenwasser,
ansonsten "Plumpsklo"),
ebenso kann
vor der Burg auf Nachfrage gezeltet werden. Vor der Kirchenburg befindet sich zudem ein etwas
komfortableres Gästehaus mit mehreren Zimmern, Dusche
und WC (ebenfalls mit Regenwasser, Viscri ist noch nicht an die
Kanalisation angeschlossen). Anfragen für beide Übernachtungsmöglichkeiten an Gerhild Dootz unter dwk@zappmobile.ro oder gerhild06@yahoo.com. Kiosk unterhalb der Burg. |
| Info: |
Die Burg von
Viscri zählt zu den schönsten Kirchenkastellen Rumäniens. Ihre Geschichte
reicht bis in die Anfänge des 12. Jhs. zurück, um 1500 erfolgte der Ausbau
zur wehrhaft befestigten Kirche. 1999 stellte UNESCO die Kirchenburg von
Deutsch-Weißkirch als Weltkulturerbe unter Schutz;
2005 wurden weitere
Kammern begehbar gemacht und ein Museum darin eingerichtet. Auf der Kirchenburg spielt Band 16 aus der Buchreihe "Der kleine Vampir" ("Der kleine Vampir und Graf Dracula") von Angela Sommer-Bodenburg, welche Viscri 1991 bereist hat. Prince Charles, Thronfolger Großbritanniens, hat die Wehrkirche seit 2002 mehrfach besucht und sich in Viscri ein Haus gekauft. Er ist Schirmherr der "Eminescu Trust"-Stiftung, die sich neben weiteren Projekten in der Region u.a. für den Erhalt des Dorfes und der Kirchenbefestigung engagiert. |
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Historie:
In einem Ortsverzeichnis über Kathedralzinszahlungen unter den Gemeinden
des Repser (Kosder) Kapitels wurde Viscri um 1400 als "Alba Ecclesia"
erstmals urkundlich erwähnt*. 1449
belegt die Nennung von "comes Johannes de Weyzkyrck sedis de Koos" als
Vertreter der Hermannstädter Provinz der Sieben Stühle den Ort
Deutsch-Weißkirch als freie Gemeinde des Repser Stuhls (als "Stuhl" wurde
ein Zusammenschluss von mehreren Städten oder Dörfern zu einer
Gerichtsbarkeit bezeichnet). Spätere dokumentarische Nennungen erfuhr
Viscri als "Weyzkirch" (1449), "Vyskirich" (1494), "Wyskirich" (1497),
"Feyeregyhaz" (1498), "Wuestkirchen" (1500) und "Fejéregyház alio nomine
Weisskirch" (1528). *
Der erste Name "Alba ecclesia" lässt sich auf die erste, aus weißem
Kalkstein erbaute Kapelle zurückführen. Diese Vermutung unterstützt neben
dem deutschen Namen "Weißkirch" auch
die ungarische Bezeichnung "Fehéregyház" (= Weiß-ein-Haus / das eine
weiße Haus); später wurde "Szász" (= sächsisch) dem ungarischen
Ortsnamen vorgesetzt (= Szászfehéregyház). Zwischen 1100 und 1120 siedelten ungarische Szekler im hiesigen Gebiet. Zu Anfang des 12. Jahrhunderts bauten sie an der Stelle der heutigen evangelischen Burgkirche eine kleine, turmlose Saalkirche (geweiht dem heiligen Andreas) mit einer östlich anschließenden, halbrunden Apsis (= Altar-Nische). Um 1180 / 1185 übernahmen sächsische Kolonisten die Kirche (die Bezeichnung "Sachsen", von "saxones", beschreibt nicht das Herkunftsgebiet der Einwanderer, sondern geht auf die lateinische Kanzleisprache ungarischer Könige zurück). Gegen 1225 erfolgte der Einbau
einer auf Rundsäulen ruhenden Westempore (man vermutet, dass die
Würfelkapitelle, die im Chor der Kirche erhalten sind, von dieser
Westempore stammen. Auch der Taufstein ist aus einem - dem größten -
dieser Würfelkapitelle des 13. Jhs. angefertigt). Im 14. Jh. baute man den Ostteil der romanischen Szeklerkirche um. Die Apsis wurde abgetragen und durch einen trapezförmigen Chor ersetzt, der ebenfalls halbrund geschlossen und von sieben Strebepfeilern gestützt wurde. An der Nordwand des Saales errichtete man eine Sakristei (Nebenraum). Der Chor erhielt Spitzbogen- sowie ein Rundbogen-Fenster, die 1970/71 während archäologischer Untersuchungen zum Vorschein kamen. 1494 erhielt Deutsch-Weißkirch eine Unterstützung von acht Gulden aus der Kasse der Stadt & Provinz Hermannstadt. Dieses Datum zeigt wahrscheinlich den Beginn der Befestigung der Kirche an. Ab etwa 1500 wurde die Kirche in
mehreren Schritten wehrhaft umgebaut. Den Saal verlängerte man nach Westen
und schloss ihn an den massiven Westturm an, Chor und Saal erhielten ein
Tonnengewölbe mit Tonnenrippen (die Rippenansätze sind hiervon erhalten,
1911 lagen - lt. Heinrich Müller - im Hof der Kirchenburg noch sorgfältig
gearbeitete Schlusssteine und Stücke von Gewölberippen der einstigen
Kreuzgewölbe). Parallel zum Bau des Südwestportals wurden die Chorwände
polygonal erhöht, dazu neue Strebepfeiler erbaut; diese trugen das
vorgekragte Wehrgeschoss, welches über dem Chor errichtet wurde. Hierbei
wurden wertvolle Wandmalereien unwiederbringlich zerstört, gleiches gilt
für Fresken an der fensterlosen Nordwand, die nach der Reformation
übertüncht wurden. Im 17. Jh. ersetzte man das
Oval der Ringmauer an der Nord- und Südseite durch geradlinig verlaufende
Mauern, vor diese wurde im Westen und Norden jeweils ein Wehrturm gesetzt.
Eine Inschrift im Nordturm belegt den Baubeginn am 03. April 1630 und den
Abschluss am 14. Juni, Architekt war Johann Hartmann aus Lovnic (Leblang). Auf den Fundamenten eines älteren Turms aus dem 13. oder 14. Jh. erbaute man 1650 (Inschrift) den neuen Torturm ("Pfortenturm", heute auch Glockenturm). Im Erdgeschoss hat er ein Tonnengewölbe, das durch zwei massive Rundbögen im Süden und Norden abgeschlossen wird. Das vierte Geschoss mit dem Glockenstuhl verfügt über einen holzverschalten Wehrgang, der Eingang zu den Obergeschossen war früher nur über heraufziehbare Leitern möglich. 1714-15 wurde das mit Schindeln gedeckte Pfarrhaus wiederhergestellt. Bei einer 1715 erfolgten Spendensammlung für die "Erneuerung unserer geschwächten, mit Lebensgefahr den Besuchern derselben drohenden Kirche" kamen 137 Gulden zusammen, 1717 vermerkte man im Rechnungsbuch der Kirche die Kosten für den Bau an der Burg. Man unterzog die Kirche einer Generalreparatur, bei der man neue Strebepfeiler einzog, zwei Glater (Emporen) errichtete und das Gestühl zum Teil erneuerte. Im 18. Jh. umgab man die Kirchenburg mit einem zweiten Mauergürtel ohne Türme ("Zwingermauer", nur noch stellenweise Reste von etwa 1 m Höhe), 1743 musste das rissige und baufällige gotische Netzgewölbe abgetragen werden. Über dem Chor baute man eine einfache Stuckdecke ein, zudem wurde der Triumphbogen repariert und teilweise rundbogig neu gewölbt. Das Wehrgeschoss über dem Chor wurde abgetragen und der Dachstuhl dicht über den Verteidigungsbogen aufgesetzt, darüber hinaus erhielt der Saal eine unbemalte Kassettendecke. Gleichzeitig wurden einzelne Fenster zugemauert, andere vergrößert und durch rundbogig geschlossene Fenster ersetzt. An diese Reparatur erinnert eine Inschrift auf dem Triumphbogen, mit der Jahreszahl ("Anno MDCCXXXXIII"). Der Wehrgang der Innenmauer
wurde im 19. Jh. abgetragen und an dessen Stelle ein schräg gedeckter Gang
für Kornkästen angebracht. Ebenso trug man den Wehrgang der Ostbastei ab,
deren Obergeschoss bis in die 1960er Jahre als Speckkammer genutzt wurde. In
den beiden darunter liegenden Räumen richtete man Schulräume ein,
gleichfalls in den unteren Räumen der Südbastei. * Die archäologischen Untersuchungen bestätigen (lt. Dumitrache), dass in der Mitte des Chorraums und des Saals vom 16. bis zum Ende des 18. Jhs. einfache Bestattungen sowie solche in Ziegelgruften stattfanden. Vor der in der Nordwand des Saales befindlichen Nische, unter einem (in das 16. Jh. datierten) Ziegelfußboden entdeckte man ein Grab, welches teilweise durch eine spätere Gruft zerstört worden war. Das in dem Grab gefundene Skelett (in Rückenlage, mit der gleichen West-Ost-Ausrichtung der Kapelle) war jedoch gut konserviert. Auf der linken Seite seines Unterkiefers wurden Reste eines kleinen Metallgegenstandes gefunden, welcher während der Bergung des Schädels zerfiel. Dennoch hatte er deutliche Grünspanspuren im Knochen hinterlassen. Auf weitere Grabstätten - mit Münzen aus dem 11. - 12. Jh. sowie Schläfenringen (Kopfschmuck aus Bronzedraht) - stieß man im Kirchhof. Dies lässt vermuten, dass der heutige Burgberg zumindest in der ersten Hälfte des 12. Jhs. auch als Friedhof genutzt wurde. 1942 sowie 1970-71* führte man archäologische Grabungen und Restaurierungen in der Kirchenburg durch, weitere Sanierungen folgten. Zuletzt machte man im Jahr 2005 weitere Kammern gangbar und richtete in ihnen ein siebenbürgisch-sächsisches Museum ein. Hierfür wurden, in einer für die antiquarischen Stücke riskanten Maßnahme, per Seilwinde auch die alten Stollentruhen aus dem Zwischengeschoss des großen Westturmes (ehem. Wohnturm / Bergfried) geholt und in die Museumsräume umgestellt. * Die Grabungen förderten - lt. Dumitrache - Spuren der älteren (ersten) Kirche zutage; so wurden im Chorraum Reste einer halbkreisförmigen Apsis und auf der Nordseite des Saales ein Bruchteil des West-Endes dieses älteren Baus entdeckt. Weiterhin wurde festgestellt, dass die Seitenwände der früheren Kirche in die Nord- und Südwand des heutigen Baus (der ein Ergebnis mehrerer Umbauten ist) mit einbezogen wurden. Bei Wanduntersuchungen stieß man hinter den beiden Triumphbogenpfeilern auf je einen Absatz nördlich und südlich der Apsis, der sich bis zu einer Höhe von 2 m und mit einer schräg abfallenden Basis erhalten hat. Aufgrund dieser Forschungen konnte der Grundriss der älteren Kirche rekonstruiert werden: Die Kapelle (Saal mit halbrunder Apsis) war 13,5 m lang, der Saal an sich hatte eine Länge von 9,80 m und eine Breite von 8 m im Osten, bzw. 7,80 m im Westen. Die Mauern hatten eine Dicke von durchschnittlich 0,75 - 0,80 m, auf der Südseite befand sich ein Eingang mit Rundbogen. Die jetzige Kirche der Burg
besitzt einen klassizistischen Altar aus dem 19. Jh. und eine
Barock-Kanzel aus dem Jahr 1791. Das Gestühl stammt aus dem 17.-19. Jh.
(an der Westwand von 1694, an der Südwand von 1793 und das Chorgestühl aus
den Jahren 1795 und 1833). Im Zwinger steht unterhalb des Torturms der so genannte "Schandstein". Anstatt am Altar in der Kirche, wurden hier - nach Auskunft der Burghüterin Frau Dootz - einst Frauen getraut, die bereits vor der Hochzeit schwanger waren. Quellen:
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