Rumaenienburgen

 

Kirchenburg Ungra, Ungra (dt. Galt, ung. Ugra)
Photos © Andy Winkler


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Anfahrt:

Von Brasov auf der -13- / E60 Richtung Sighisoara. Vor Rupea links nach Ungra abbiegen.

Besichtigung: Nur Außenbesichtigung.
Übernachtung: Keine Übernachtungsmöglichkeit in der Kirchenburg.
Info: -/-

Historie: Die auf einer Bergnase oberhalb des Dorfes um 1500 entstandene Kirchenburg besteht aus einem einfachen Bering, der im Osten halbrund, im Westen rechteckig die Basilika des 13. Jh. umgibt, an den Ecken von vorspringenden Türmen bewehrt, die von außen viergeschossig, sehr hoch wirken, im inneren Burghof aber nur zweigeschossig sind, da sie, an den Berghang gebaut, die hohen Stirnseiten dem Feind zukehren, während die steilen Pultdächer gegen den Hof abfallen. Nur der über einem langen Einfahrtstunnel in Südosten stehende Torturm trägt ein Pyramidendach.

Dem 17. Jh. gehört der auf fünfeckigem Grundriss erbaute Nordost-Turm an, dessen Pultdach mit einer Bekrönung von kreuzförmigen Zinnen geschmückt ist, wie wir es ähnlich nur noch am Zeidner Weberturm finden. Die Schießscharten in Ringmauer und Türmen sind in Eichenrahmen mit Drehbolzen gefasst - zu ihrer Bedienung war ein Wehrgang unerlässlich, von dem heute aber jede Spur fehlt. Sind die hier erhaltenen Wehranlagen weniger eindrucksvoll als die der beiden erstbesuchten Orte, so ist es um so mehr der weite Rundblick vom Burgplateau über die Flussaue des Alt mit weidenbestandenen Ufern, und die große Basilika aus roten Basaltquadern mit dem monumentalen Rundbogenportal der Westfront, deren niedrige Seitenschiffe im Zuge der Wehrbarmachung zur besseren Verteidigung des Mittelschiffs abgetragen wurden.

Das eigenartige Baumaterial dieser typisch romanischen, um 1270 entstandenen Basilika hat eine ungewöhnliche Herkunft: es stammt vom römischen castrum der 13. Legion Gemina, die 2 km entfernt, am linken Altufer ihr Lager hatte. Zu Beginn des 19. Jh. standen noch die 2 m dicken Grundmauern des rechteckigen 140 x 100 m Seitenlänge messenden castrums, das von einem Graben umgeben war. Heute ist nur dieser noch sichtbar, die Mauern sind verschwunden, über den Lagerplatz wird gepflügt. Auch 150 Schritt vom Kirchplateau entfernt, auf dem "Burgrech", gab es ein römisches castrum, und der heutige Gemeindefriedhof war schon ein römischer Begräbnisplatz, wo man steinerne Sarkophage, Bronzestatuen, Münzen, Schwerter und Hausgerät gefunden hat. Die Existenz des castrums ist auch durch zwei Urkunden belegt, die sich auf die Abgrenzung des Ordensgebietes beziehen, das Andreas II. dem Deutschen Ritterorden im Burzenland verlieh.

In der Urkunde von 1211 wird ein Abschnitt des Grenzverlaufs "von den Verhauen des castrum Halmagen bis zu denen des castrum Galt" festgelegt: "usque ad indigines castri Noilgiant". In der Urkunde von 1222 wird den Ort im gleichen Kontext als castrum Noialt bezeichnet. (1366 wird die freie Gemeinde des Repser Stuhls als Ugra, um 1400 als Galt, 1493 als Galth erwähnt - was sowohl auf Ungarisch als auch mittelhochdeutsch "unfruchtbar" bedeutet.) Mit 36 m Gesamtlänge ist die Basilika von Galt nächst Großschenk die größte ländliche Basilika. Vom ursprünglichen Bau sind der quadratische Chor, die halbrunde Apsis, der romanische Triumphbogen, die Längswände des Mittelschiffs und der Unterbau des Glockenturms am Westende erhalten. Das Schiff trägt nicht mehr die alte flache Holzdecke, sondern einen Stuckplafond. Chor und Apsis haben ihr Kreuzgratgewölbe und Halbkalotte gegen Tonnengewölbe mit Stichkappen eingetauscht.

Auch das Turm-Erdgeschoss war kreuzgewölbt, über der Westempore des zweiten Turmgeschosses ist noch ein Viertel des Gewölbes erhalten. In den Westecken der Empore öffnen sich noch die Einstiege zu den durch die Mauerdicke ins Erdgeschoss führenden Treppenstollen. In der Westfront des Glockenturms liegt das durch die klare Einfachheit seiner Formen riesig wirkende Rundbogenportal mit viermal abgetrepptem Gewände, dessen eine weitere Gliederung bewirkende Rundsäulen verloren gingen. Ein einfacher Abakus fasst die Gewändegliederung in dreistufigem Gesimse zusammen und trägt die Archivolte, deren achtfache Gliederung die des Gewändes wiederholt. Die Lünette ist heute zugemauert, früher enthielt sie vielleicht ein Relief. Links vom Portal waren zwei Basaltsteine mit hervortretenden Löwenköpfen eingesetzt, die gegen Ende des 19. Jh. ausgebrochen wurden. Der eine Stein liegt heute stark verwittert in der Sakristei, der andere im Lapidarium des Brukenthalmuseums.

Von den Seitenschiffen sind die Ansätze der Ost- und Westschmalwände erhalten, da die Steine in die Mittelschiffsmauern übergriffen und nicht ganz ausgebrochen werden konnten. Fünf Rundbogenarkaden öffneten sich in jedes der Seitenschiffe und wurden vermauert, als bei der Wehrbarmachung, die nach 1493 einsetzte, die Seitenschiffe abgebrochen wurden. Außen an den Längswänden sind sie noch deutlich erkennbar, dazwischen stehen die quadratischen Pfeiler, ganz aus Basaltquadern gefügt, einige tragen auch noch die vorstehenden Gesimse von Trachyttuff, aus abgeschrägter Platte und Viertelstab bestehend. Auch im Turmerdgeschoss, an dem die Seitenschiffe entlanggeführt waren, öffneten sich seitlich Rundbogenarkaden, einen Meter niedriger als die des Mittelschiffs. Über den aus rotem Basalt gefügten Mittelschiffsarkaden lag noch eine achsengleich gerichtete Reihe von Obergaden in Form von rundbogigen Zwillingsfenstern (wie in Draas und Katzendorf), die von außen bis zur halben Mauerdicke vermauert wurden.

Der Tatareneinfall von 1658 richtete in Galt grauenvolles Unheil an. Beim Herannahen der Horde waren Frauen und Kinder in ein Versteck im nahen Wald geflohen, die Männer hielten die Burg besetzt und mussten zusehen, wie die Tataren das Dorf verwüsteten und plünderten. Sie waren bereits im Abzug begriffen, als der Schuss eines Burschen, dessen Braut in der Gasse von einem Tataren gefangen wurde, die Feinde auf die in der Burg Verschanzten aufmerksam machte und sie zur Umkehr bewog. Sie drangen in die Burg, töteten einen Teil der Verteidiger, andere hatten sich in die Kirche geflüchtet. Da schleppten die Tataren das hinter der Kirche in trockenen Garben aufgeschichtete Getreide heran, legten es um die Kirche und steckten das Stroh in Brand. So erstickten die Männer im Rauch.

1667 wurde die notdürftig wiederhergestellte Kirche mit einem Strohdach gedeckt, das 1702 erst durch ein Schindeldach ersetzt werden konnte, 1761 erhielt der Bau sein heutiges Ziegeldach. Anfang des 19. Jh. brach man fünf große Rechteckfenster in die Südschiffswand, die Südeingänge erhielten kleine Vorhallen. Die Erdbeben von 1802 and 1829 hatten den Turm stark beschädigt, so dass er 1843 abgetragen werden musste, wobei das zugemauerte Rundbogenportal wiederentdeckt und freigelegt wurde. An die grauenvollen Geschehnisse von 1658 erinnern die Worte in Mönchsschrift auf der Mittelschiffswand: UBI NULLA CRUX ET TENTATIO IBI NULLA VERA ORATIO.

Quelle: http://www.karpatenwilli.com/komi8116.htm

 


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