Rumaenienburgen

 

Kirchenburg Soars (dt. Scharosch bei Fogarasch, ung. Nagysáros)
Photos ©
Andy Winkler


Allgemeine Informationen  &  Geschichte Bilder  &  Fotos

Anfahrt:

Von Sibiu oder Brasov auf der E68 / -1- bis Fagaras, dort Richtung Rupea bis Soars (links).

Besichtigung: Tagsüber möglich.
Übernachtung: Keine Übernachtungsmöglichkeit.
Info: -/-

Historie: Scharosch wurde urkundlich erstmals im Jahre 1206 als Grenzort in einer Schenkungsurkunde König Andreas II. erwähnt.

Die heutige spätgotische Wehrkirche in Scharosch ist nicht der erste christliche Kultbau der Gemeinde gewesen, sondern hatte eine romanische Basilika zum Vorgängerbau. Diese Vorgänger-Kirche ist wahrscheinlich im Jahre 1430 durch den 1. Türkeneinfall zerstört worden. In diesem Feldzug plünderten die Türken das ganze Gebiet bis hin zur Kleinen Kokel. Die bösen Erfahrungen, die die Scharoscher während dieses Krieges machen mussten, brachten sie wahrscheinlich dazu, die Kirche nun als Wehrkirche/Kirchenburg neu aufzubauen. Chor und Schiff erhielten schießschartenähnliche Löcher, der Glockenturm wurde befestigt. Für diesen heute noch stehenden Kirchenbau, der zwischen 1438 und 1450 errichtet wurde, berichten die Hilfsaktionen, die den Scharoscher Bauern es erlaubten, die Kirche neu zu bauen. Eine dieser Hilfen war der 1450 von Kardinal Johannes gewährte Ablass für die Scharoscher Jakobus-Kirche von 100 Tagen. Die dadurch erworbenen Gelder sollten dem Neubau gewährt werden. 1466 gab der Kapitelsdechant Johannes von Hermannstadt der Scharoscher Kirche einen weiteren Ablass von 40 Tagen.

Die neue Kirche wurde so gebaut, dass die Westfront geschlossen blieb, da von dieser Seite die schweren Unwetter heraufzogen. Insgesamt erlebte die Scharoscher Kirche 3 Bauperioden, wobei allerdings die 1. die eigentliche Bauzeit darstellt, die beiden anderen nur der Erneuerung und teilweise Veränderung dienten. So erhielt der Chor im Jahre 1885 statt seines alten Gewölbes ein modernes Holzgewölbe mit 7 Stichkappen, das schilfartig mit Gips verputzt, einem sternartigen Gewölbe ähnlich sieht. Zu den Besonderheiten der Scharoscher Kirche gehört der Lettner, den es sonst in Kirchen in Siebenbürgen wenig gab. In der alten katholischen Kirche war der Lettner eine die Chorschranken ersetzende Scheidewand, mit mehreren Durchlässen zwischen Chor und Schiff und bildete oben eine über Treppen zugängliche Bühne, auf der kirchliche Lesungen stattfanden. Die baulichen Stützen, die den Lettner trugen, sind heute in der Kirche in den Resten noch erkennbar. - Der in Weiss-Grün-Gold bestrichenen Barockaltar im Chor schmückt eine Kreuzigungsszene, die 1745 vom Hermannstädter Maler Martin Stock unterzeichnet ist.

Nach dem erneuten Türkeneinfall von 1493 setzte sich der Hermannstädter Stuhl für den verstärkten Ausbau der Scharoscher Kirche zu einem Wehrbau ein. Er gewährte der Kirche in Scharosch einen Steuernachlass von 12 Gulden für die Kirchenburg. Diese Maßnahmen führten dann zu einem wehrhaften Ausbau der Kirche, der aber eigentlich ständig fortlaufend blieb, so dass erst 1900 der Kirchenbau beendet war, in den letzten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts aber nochmals restauriert wurde.

Erwähnenswert zur Scharoscher Kirche ist noch, dass um das Jahr 1500 die hölzernen Wehrgänge der Kirche durch gemauerte aus Stein ersetzt wurden, da sie nach der Verbreitung der Feuerwaffen als Holzmaterial eine akute Brandgefahr darstellten. Das Turmraumgeschoß weist eine besondere Eigentümlichkeit der Scharoscher Kirche auf. Dieser Raum im untern Turm kann heute nur von der Kirche aus betreten werden. Man kann im Turmraum jedoch beobachten, dass die Nord- und Südwand vermauerte spätgotische Bögen hatte, durch diese konnte das Erdgeschoß des Turmes von außen früher betreten werden. Aus diesen Beobachtungen heraus wäre zu schließen dass hier eine ursprünglich turmlose gotische Kirche mit einer Westportal vorhanden war, an deren Ende der spätere - heute noch sichtbare - Turm angebaut wurde.

Das Gesamtbild der Scharoscher Kirche - so wie es sich heute dem Betrachter zeigt - weist allerdings von der ehemaligen Wehrkirche nicht mehr viel auf, da die Wehrmauer, die die ganze Kirche umgab, um das Jahr 1800 von der Scharoscher Gemeinde abgebrochen wurde.

Quelle: http://www.sibiweb.de/orte/scharosch/

 

 


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