Rumaenienburgen

 

Cetatea dacică / Sanctuarul de la Racoş (dakische Befestigung / dakisches Heiligtum Racos),
Racoş / Racoşu de Jos (dt. Krebsenbach / Unter-Krebsenbach, ung. Alsórákos)
Photos © Wilhelm Scherz, www.Karpatenwilli.com, mit frndl. Genehmigung


Allgemeine Informationen  &  Geschichte Bilder  &  Fotos

Anfahrt:

Von Brasov / Sighisoara auf der -13- / E60 bis Hoghiz. Zwischen Rupea und Hoghiz nach Racos abzweigen. An der Festung im Ort vorbei, knapp einen Kilometer dahinter gibt es eine Hängebrücke aus Holz, welche über den rechts gelegenen Fluss führt. Nach der Brücke ca. 3,5 Km links am Fluss entlang und dann rechts.
Oder noch vor Racos rechts Richtung Mateias. Nach der Brücke links und ca. 7 Km auf unbefestigtem Weg am Fluss entlang.
Sehr schlechte Straße auf den 10 Km von der E60 bis nach Racos! Aufgrund von LKW-Verkehr unzählige & teils sehr tiefe Schlaglöcher!

Besichtigung: Frei zugänglich.
Übernachtung: Keine Übernachtungsmöglichkeit.
Info: -/-

Historie: Die dakische Besiedlung des Gebietes geht bis auf das 5. und 6. Jahrhundert v. Chr. zurück, womit diese Stätten rund 200-300 Jahre älter sind, als die bekanntesten Dakerfestungen Rumäniens im Muntii Surean (Sureanu-Gebirge), südlich von Orastie (dt. Broos).

Die einstige Dakerfestung von Racos befand sich auf dem (nach neuesten Messungen 753,9 m hohen) Dealul Tipia (Tipia-Hügel) im Muntii Persani. Im Süden und Südosten ist der Berg vergleichsweise flach, im Norden und Nordosten fällt er steil ab. Das Plateau auf dem Hügel wurde künstlich angelegt.

Erstmalige Grabungen unternahm der Sportlehrer Wilhelm Hausmann 1863, der die Ergebnisse seiner Untersuchungen 1864 in der Kronstädter Zeitung publizierte. Weitere Ausgrabungen erfolgten durch Orban Balasz, Carl Gooss, Gábor Teglas, Iulian Martian u.a. 1979-83 folgten erneute Untersuchungen durch Florea Costea, gezielte wissenschaftliche Ausgrabungen fanden zudem zwischen 1989-2005 statt (u.a. von Angelica Bălos 1995-98).

Aus der Bronzezeit sind keine Spuren nachweisbar, aus der Eisenzeit lediglich noch geringfügige. Schon vor der Herrscherzeit Burebistas (erster König der Daker ab 82 v. Chr., *111 v. Chr., ermordet 44 v. Chr.) waren auf dem Berg mehrere Terrassen angelegt, die durch Erdwälle gestützt wurden. Auf diesen Terrassen befanden sich rund 75-80 Wohnungen, wobei die größte Bebauung durch freie dakische Volksgruppen in der Schlucht und im Tal angesiedelt war. Hierfür sprechen auch archäologische Untersuchungen der Gegend sowie der Fund einer starken Verteidigungsmauer im Tal.

Um 82 v. Chr. unterwarf  und vereinigte Burebista die dakische Bevölkerung von Racos mit anderen dakischen Stämmen. Da sich die Daker von Racos nicht freiwillig in das Dakerreich Burebistas einordnen wollten, zerstörte dieser die bereits erwähnten Wohnungen auf den Terrassen. Sie wurden eingeebnet und auf den Flächen neue Bauten errichtet, wobei die Terrassen durch Kalksteinblocks verstärkt und von ehemals 4-7 m auf 7-15 m verbreitert wurden. Nur eine Terrasse wurde frei gelassen, aus welchem Grund ist nicht bekannt. Manche Terrassen wurden mit für Daker untypischen Mauern in Sägezahnform verstärkt.
Die neuesten Bauten stammten aus der Zeit von Decebal (letzter König der Daker ab 87 n. Chr., † durch Selbsttötung 106 n. Chr.).

Zum Bau wurden rund 11.500 m³ Gestein verwendet; überwiegend weißer Kalkstein und Vulkangestein aus der Region, ferner Granit. Darüber hinaus konnten Gesteinsarten nachgewiesen werden, die in der Gegend um Racos nicht vorkommen und die somit aus entfernteren Gebieten zum Berg transportiert worden sein müssen.
Die Steinblöcke hatten eine Größe von 30 cm bis 2,50 m, die Steinzwischenräume waren mit Erde aufgefüllt. Umgeben war die Anlage von einem Steinwall mit zusätzlichem Palisadenaufsatz und einem Tor im Süd-Südosten. Das Plateau mit einer Größe von 93-94 x 22-33 m war ehemals mit Stein bepflastert. Im Nordwesten konnten zwei große ehemalige Gebäude nachgewiesen werden, wobei es sich vermutlich um Militärgebäude handelte. Ein weiteres Gebäude ähnelte einem solchen der Dakerfestung Piatra Rosie bei Luncani, nur war jenes von Racos etwas kleiner. Daneben befand sich in Richtung Nord-Nordwesten ein Turm aus Kalkstein.

Zur Zeit von Burebista und Decebal entwickelte sich der Berg zu einem starken spirituellen Zentrum mit wichtigen Heiligtümern (rum. Sanctuarul) und Säulentempeln, wobei die alten Heiligtümer in den Bau von neuen mit einbezogen wurden. Die Daker opferten hier den Göttern Fleisch; die an Eisenhaken gehängten Fleischstücke wurden vor allem der höchsten Gottheit, dem Zamolxis, dargebracht.

Mindestens drei Heiligtümer verschiedener Bauphasen konnten bei Ausgrabungen nachgewiesen werden: zwei rechteckige Säulentempel sowie ein rundes Sanktuar. Zwar war die Dakerfestung von Racos an sich nicht sonderlich groß, doch war das runde Heiligtum nach Sarmizegetusa bei Gradistea de Munte das zweitgrößte Rumäniens (die Wohnungen sowie die Heiligtümer befanden sich außerhalb der eigentlichen Festungsmauern des Plateaus auf dem Dealul Tipia).
Das ältere rechteckige Heiligtum hatte aus der ersten Bauphase 6 Reihen aus 4 Säulen in der Ausrichtung Nordost-Südwest, im zweiten Bauabschnitt 6x10 Säulenreihen von Nordwesten nach Südosten. Ein weiteres Heiligtum aus Vulkanstein hatte anfangs 10x4 Säulen, später 6x3 Reihen in der Ausrichtung Nordwest-Südost.

Veränderungen und Zerstörungen erfolgten mit Beginn der römischen Provinz Dacia 106 n. Chr. und um 220 n. Chr. sowie insbesondere um 500 n. Chr. Letztmalig sporadisch bewohnt war der Berg im 12. - 13. Jahrhundert.
Bei topometrischen Messungen 1910 / 1920 wurden die Heiligtümer von Racos irreparabel zerstört und historische Mauer- und Säulenreste achtlos in den Abgrund gestürzt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bepflanzte man den Berg, der bis dahin als Weidefläche genutzt wurde, zum Teil mit Wald, wodurch ein weiterer Großteil der Monumente unwiederbringlich vernichtet wurde.

Bei Ausgrabungen fand man Keramikfragmente, Hacken, Fibula (broschenähnlicher Schmuck als Gewandverschluss) und Eisengegenstände, die heute im Geschichtemuseum „Casa Sfatului“ ausgestellt sind.
Des Weiteren wurden im dakischen Heiligtum von Racos Eisennägel gefunden, die nicht rosten. Untersuchungen ergaben ein Alter von 2000 Jahren, die Zusammensetzung besteht aus 99,97% reinem Eisen, ferner aus Magnetit, Eisenoxyd und Aluminiumsilikaten. Weltweit sind mit der Eisenstange von Delhi und einem Diskus aus der Mongolei nur zwei weitere Beispiele von nicht rostendem Eisen bekannt, die von der NASA untersucht wurden.
Darüber hinaus entdeckte man dakische Eisenstücke mit einem Gewicht von mehr als 40 Kg, obwohl es selbst den Römern nicht möglich war, in ihren Öfen Eisenbrocken von mehr als 25 Kg zu schmelzen.

Es ist bewiesen, dass die Daker über weit reichende astronomische Kenntnisse verfügten. Verbindet man bestimmte dakische Stätten auf der Karte, erhält man durchgehend gerade Linien sowie dreieckige Formen. Es wird vermutet, dass die Daker mit der geometrischen Raumeinteilung Gestirne auf die Erdoberfläche übertrugen. Wie ihnen dies vom Boden aus und über teils größere Entfernungen hinweg in solch exakten Formationen möglich war, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt.

Quellen (übersetzt aus dem Rumänischen):
www.cimec.ro/scripts/arh/cronica/detaliu.asp?k=3595
www.rupea-cohalm.ro/fileadmin/user_upload/despre_eveniment/obcult_ro_Racos.pdf
www.archweb.cimec.ro/Arheologie/expo/html/racos.html
http://old.ournet.md/~anothersite/Kgnn1/kgnn1.html
www.gk.ro/sarmizegetusa/inedite/mistere_dacice.htm

 

 


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