Rumaenienburgen

 

Kirchenburg Cobor, Cobor / Cubura / Covor (dt. Kiewern, ung. Kobor)
Photos © Andy Winkler


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Anfahrt:

Von Brasov / Sibiu auf der -1- / E68 bis Fagaras, von dort Richtung Rupea. Nach etwa 10 Km rechts nach Felmer abbiegen, von wo aus eine neuere Straße nach Cobor führt.

Möglich ist auch diese Anfahrt, die Straße ist jedoch schlechter: Von Brasov Richtung Fagaras / Sibiu bis Sercaia, dort über Palau und Venetia de Jos bis Comana de Jos. In Comana Richtung Ticusu Vechi, von dort weiter bis Cobor.

In Cobor rechts auf den Hügel fahren, die Kirchenburg befindet sich auf der rechten Seite der Straße.
Auf die Rückseite der Kirchenburg gelangt man über den rechts gelegenen Friedhof.

Achtung: Auf einigen Straßenkarten und in manchen Routenplanern sind neben der oben von mir genannten Route auch Verbindungsstraßen zwischen Cobor und Jibert (nördlich) sowie zwischen Ticusu Vechi und Dacia (nordöstlich) verzeichnet. Diese Wege sind jedoch stellenweise sehr schlecht und z.T. nur mit geländegängigen Autos befahrbar (Stand: Sommer 2007).

Besichtigung: Zum Teil frei zugänglich.
Lebensgefahr! Die Ruinen der Wehrtürme sind in Teilen einsturzgefährdet!
Übernachtung: In einem Gebäude neben der Kirchenburg wurde für Sommermonate eine Übernachtungsmöglichkeit eingerichtet, nähere Infos sind vor Ort beim Pfarrer erhältlich (Stand 09/2007).

In Hausnummer 50 befindet sich eine Kneipe samt Lebensmittelladen der Familie Szasz.

Info: Von der Kirchenburg ist nur noch das Kirchenschiff intakt, welches auch noch genutzt wird. Sowohl der vorgelagerte Glockenturm, als auch der hintere Wehrturm sind ruinös und in Teilen einsturzgefährdet. Von den einstigen Nebengebäuden und der Wehrmauer stehen nur noch Ruinen.
Der Glockenturm ist über eine morsche Leiter zwar noch zugänglich, ich rate von einem Aufstieg jedoch dringend ab! Sowohl im Zwischen-, als auch im Obergeschoss sind die Stufen und Bodendielen lose und sehr morsch, zum Teil fehlen sie bereits ganz.

Update September 2007: Wie mir mitgeteilt wurde, sind rund 60.000 Euro für die Restaurierung der Kirchenburg zusammengetragen worden. Derzeit wird das Dach des Turms saniert, anschließend soll die Umfassungsmauer gesichert werden.

Historie: Die Anlage der Kirchenburg hatte ursprünglich vier Türme, die zum Schutz dienten und aus denen heraus man schießen und die Burg verteidigen konnte. Zwei dieser Türme existieren noch; der Glockenturm ist noch vergleichsweise gut erhalten (die Treppen und Zwischenböden sind allerdings sehr marode), der hintere Wehrturm hingegen ist einsturzgefährdet. Ein weiterer Turm stand am Friedhof. Er war jedoch in einem solch schlechten Zustand, dass er abgerissen wurde und an seiner Stelle das Haus des Glöckners errichtet wurde. Der vierte Turm stürzte im 19. Jahrhundert ein oder wurde zu dieser Zeit abgetragen.

Die Geschichte von Cobor beginnt laut kirchlicher Bücher um 1200. Anfang der 70er Jahre wurden die Bücher von einem jungen Pfarrer übersetzt. Die Schrift in den Originalen verlief von rechts nach links (vermutlich hebräische Schrift o.ä.; im Dorf gab es eine jüdische Familie, welcher damals ein Lebensmittelladen in Cobor gehörte). Leider sind die Bücher in den 70er Jahren verschwunden. Angeblich wurden sie zur Restauration zum Kirchenhauptamt nach Cluj-Napoca (deutsch: Klausenburg) gebracht.

Ob Cobor ein ursprünglich ungarisches oder sächsisches (deutsches) Dorf war, ist nicht sicher. Die Burgarchitektur ähnelt anderen sächsischen Gemeinden, wie von den Nachbarorten Felmer, Ticusul-Vechi, Lovnic und Jibert. Die Sachsen, wie die Deutschen in Siebenbürgen heißen, sind um 1250 n. Chr. von Deutschland (Luxemburger Gegend) nach Siebenbürgen (damaliges Ungarn) ausgesiedelt. König Bela der 2. hat den Sachsen den Boden gegeben, um die Angreifer, wie Tataren, Türken, etc. aufzuhalten, damit Ungarn Zeit hatte, seine Armee kampfbereit zu machen.

Im 14. oder 15 Jahrhundert, nach schwerer Belagerung von Türken (so stand es in den Büchern, es waren jedoch vermutlich Tataren) sind nur 3 Leute aus Cobor am Leben geblieben. Diese konnten durch einen Tunnel fliehen, der von der Kirche in den Wald außerhalb führte.

Im 16. Jahrhundert wurden in den kirchlichen Büchern und in den Geburts- und Sterbeurkunden erstmals Ungarische Namen eingetragen: Kovacs (dt: Schmied), Szabo (dt: Schneider), Dull, Czika, usw. Der Name "Szasz", welcher heute häufig in Cobor vertreten ist, wurde in den Urkunden dieser Zeit noch nicht erwähnt. Die Einwohner waren patriotisch zu Ungarn.

Um die Jahre 1905/1909 gab es im Dorf ein schreckliches Feuer, etwa 10 Scheunen und mehrere Schuppen brannten dabei nieder. In den 20er Jahren reisten manche Einwohner nach Amerika, um dort Geld zu verdienen. Als sie nach Cobor zurück kamen, haben sie Boden oder landwirtschaftliche Geräte gekauft. Cobor hat ca. 3700 Hektar Land.

Die Leute haben Brunnen gebohrt oder teilweise nur ein Loch 40-60cm tief gegraben und hatten im Sommer Wasser zum Trinken. Jeden Frühling haben die jungen Leute die Brunnen gereinigt. Viele Brunnen sind inzwischen jedoch verschüttet oder das Wasser ist nicht mehr genießbar.

In den 30er Jahren haben die Leute mit dem Handwerk angefangen - hauptsächlich als Maurer und Zimmermann. Ende 60er Jahre begann die Industrialisierung in den Städten, weshalb viele Einwohner dorthin zogen. Teilweise haben sie die unfertigen Häuser verlassen, die Altersschicht zwischen 30 und 50 Jahren hat im Dorf fast nicht mehr existiert.
Leider hatte diese Art von Leben auch seine Nachteile. In den Städten hatte man Wasser, Wärme, 8 Stunden Arbeit und in den 70er Jahren keine Sorgen. Deshalb haben die Leute in den Städten sich nicht mehr um die Häuser in Cobor gekümmert und so sind sie nach 20, 30 Jahren zerfallen. Nur wenige von den Stadtbewohnern sind zurückgekehrt. Entweder sind die Leute gestorben oder die Kinder hatten kein Interesse mehr an Cobor und haben die Häuser dort verkauft. Bis in die 60er Jahren haben in Cobor ungarische Leute und Zigeuner gewohnt, im Verhältnis 80 zu 20. Derzeit leben dort Ungarn und Rumänen in etwa gleicher Anzahl, bei der letzten Volkszählung hat nur ein einziger zugegeben, dass er Zigeuner ist.

Etwa im Jahr 2000 hat ein Belgier eine halbe Straße gekauft und dort die Häuser umgebaut. Nun kommen auch Besucher aus Frankreich und Belgien.

Quelle: Stefan Zultner, Stuttgart. Herzlichen Dank für die Übermittlung der historischen Daten.


1206 wurde Cobor erstmals urkundlich erwähnt. König Andreas II. verlieh Johannes Latinus die "tera Cwezfey", wobei das Nachbardorf "villa Cowornh" genannt wurde. Um 1400 wurde "Kobryn" in einem kirchlichen Steuerverzeichnis als Kapitel des Repser (Kosder) Kapitels aufgezählt. 1488 war "Kofferin" eine Gemeinde Repser Stuhls.
1529 wohnen in Kiewern noch Sachsen, um 1530 war es unbewohnt. 1532 gab es in Kiewern keine Steuerträger, die Gemeinde war also zeitweilig erloschen, bis im Zeitraum zwischen 1532 und 1541 Szekler einwanderten.
1537 gab es Streit zwischen den Bewohnern von Kiewern und Tekes wegen Weiderechten, 1555 kam es zu einem Hattertstreit zwischen Deutschtekes und Kobor, 1593 zu einem Grenzstreit zwischen Kiewern und Felmern. 1601 waren die Gemeindemitglieder von Kiewern reformiert, 1607 wurde ein Inventar der Kirchengemeinde in ungarischer Sprache abgefasst, 1641 wurde ein Pfarrer Martini erwähnt.
1862 trat Kiewern aus dem Verband der evangelischen Landeskirche A.B. aus und wurde dem reformierten Bischof unterstellt.

Im 15. Jahrhundert wurde eine gotische Saalkirche (39 x 11 m) erbaut. 1802 wurden große Teile der Kirche zerstört und danach in veränderter Form wieder aufgebaut.
Die Kirche ist von einem rechteckigen Bering umgeben, der 50 x 32 m misst. Die Mauer ist 4 m hoch und hat Froschmaulschießscharten. In den Ecken standen Wehrtürme. Der Nordwestturm mit quadratischem Grundriss und einer Seitenlänge von 8 m springt vor die Mauerflucht vor. Der Südwestturm wurde um 1900 abgetragen. Der Südostturm springt 7 m vor die Mauerflucht vor und hat ein Obergeschoss mit zwei Pechscharten, kleine runde Schießscharten und in den unteren Geschossen Froschmaulscharten. In einer heute unleserlichen Inschrift erschien die Jahreszahl 1653.

Quelle: Hermann Fabini, Atlas der siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen und Dorfkirchen, Band 1 (3. überarbeitete Ausgabe), 2002, Monumenta Verlag Hermannstadt und Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e.V. Heidelberg

 

 


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