Rumaenienburgen

 

Cetăţuie Cluj (Festung / Zitadelle Klausenburg), Cluj-Napoca (dt. Klausenburg, ung. Koloszvár)
Photos © by Andy Winkler


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Anfahrt:

Von Satu Mare (Nordwesten) über die -1F- / E81, von Ungarn und Oradea (Westen) über die -1- / E60, von Süden über die -1- / E60 / E81.
Der Schlossberg befindet sich unmittelbar nördlich des Zentrums, auf der anderen Seite des Flusses Someşul Mic. Dort der Ausschilderung zum Hotel Belvedere / Hotel Transilvania folgen. Kostenloser Parkplatz am Torhaus.

Besichtigung: Frei zugänglich.
Übernachtung: Auf dem Schlossberg (rum. Cetatuia, ung. Fellegvar) befindet sich heute das Hotel Belvedere.
Info: Die Festung besaß fünf Eckbastionen, drei Tore und neun Pavillons, umgeben von tiefen Gräben sowie wuchtigen Backstein- und Erdwällen. Außer dem Torhaus im Norden nur noch geringe Reste, vorwiegend Wälle und Gräben. Es sollen noch unterirdische Gänge vorhanden sein.

Historie: Der Ort war nachweislich bereits in der Steinzeit besiedelt und schon als dakischer Ort "Napouka" Mittelpunkt des Umlandes. Die Station auf der römischen Heerstraße wurde von Kaiser Hadrian zum municipium (in den römischen Staatsverband aufgenommene autonome Stadtgemeinde) und von Kaiser Aurel zur Kolonie erhoben. Cluj war zeitweise Hauptstadt der Provinz "Dacia Porilissensis". Nach der Preisgabe Dakiens verfiel die Stadt.

Ende des 11., Anfang des 12. Jahrhunderts errichteten die Ungarn in der alten Burg, wohl auf den Ruinen des alten Napoca, das Castrum Clus. Ende des 12. Jahrhunderts wurden Hospites (Einwanderer) angesiedelt, die eine eigenständige Siedlung anlegten. Danach wurde eine städtische Planlage mit Zentrum auf dem Hauptplatz und der untermauerten Hauptkirche St. Michael (gotischer Ausbau im 14. / 15. Jh., neugotischer Turm von 1862) errichtet. In der alten Burg ließen sich Dominikaner nieder (erhalten ist die gotische Klosteranlage, heute Musikschule). Die Schenkung des Ortes an den siebenbürgischen Bischof 1275 führte zu einer Stagnation in der Stadtwerdung und wurde erst von König Karl I. Robert durch die endgültige Verleihung der kommunalen Autonomie 1316 beendet.
1405 verlieh König Sigismund das Recht, die Stadt mit Mauern zu befestigen.

Einen großen Aufschwung erlebte die Stadt unter König Matthias Corvinus (Reiterstandbild von 1902 auf dem Hauptplatz vor der Kirche), der ihr zahlreiche Handelsprivilegien verlieh, die Befestigung der Stadt vorantrieb und ein Franziskaner-Kloster (heute reformierte Kirche) förderte. Ab 1450 erlebte die Stadt häufige Konflikte aufgrund der sozialen, religiösen und ethnischen Unterschiede deren Bewohner. Von den Kriegsereignissen des 16. / 17. Jahrhunderts weitgehend verschont, entwickelte sich der Ort zu einem blühenden Wirtschaftszentrum.

Nach der vernichtenden Niederlage und dem Tod von Fürst Georg II. Rákóczi im benachbarten Floresti 1660 wurde die von österreichischen Soldaten mit verteidigte Stadt wochenlang von den Osmanen belagert und kaufte sich schließlich durch riesige Geschenke frei.

Der ungarische Adel, dem seit dem 17. Jahrhundert der Zuzug erlaubt wurde, ließ sich in habsburgischer Zeit verstärkt nieder und errichtete im 17. bis 19. Jahrhundert mehrere Herrenhäuser, die das Stadtbild prägten. 1790 zog mit dem Gouverneur Georg Bánffy auch das siebenbürgische Gubernium aus Sibiu nach Cluj, das nun die Funktion einer Provinzhauptstadt erhielt.

Im Zuge der Revolution 1848 / 1849 beschloss der ungarisch dominierte Landtag am 10. Mai 1848 erstmals die so genannte Union Siebenbürgen mit Ungarn, die nach der Niederschlagung zunächst unterbunden, mit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 aber umgesetzt wurde. Der letzte Landtag von Siebenbürgen wurde am 20. November 1865 nach Cluj einberufen und legitimierte mit seiner ungarischen Mehrheit vorab die im Ausgleich zu bestimmende Union. Am 30. April 1869 schließlich hielt das siebenbürgische Gubernium in Cluj seine letzte Sitzung ab.

1872 wurde die ungarischsprachige Franz-Josephs-Universität gegründet. Nach dem ersten Weltkrieg lehnte eine Großversammlung der Siebenbürger Ungarn am 22. Dezember 1918 den Anschluss an Rumänien ab. Die Universität wurde 1920 in "König Ferdinand I." umbenannt und die rumänische Unterrichtssprache eingeführt. In den Jahren 1940 - 1944 war Cluj die bedeutendste Stadt des durch das 2. Wiener Diktat an Ungarn abgetretene Nord-Siebenbürgen. Die rumänische Universität floh nach Sibiu (Hermannstadt) und Timisoara (Temesvar), die ungarische Universität wurde neu begründet. Im zweiten Weltkrieg fanden 1944 in der Umgebung heftige Kämpfe zwischen ungarisch-deutschen und sowjetisch-rumänischen Truppen statt, welche Cluj Mitte Oktober einnahmen. Bis zum März 1945 stand Cluj unter sowjetischer Militärverwaltung. Die Industrialisierung der Stadt führte zwischen 1948 und 1988 zu einer Verdreifachung der Bevölkerungszahl.

In der Nationalkommunistischen Ceausescu-Zeit wurde 1974 anlässlich eines vorgeblich 1850jährigen Stadtjubiläums der dakisch-römische Name "Napoca" an den seit dem Mittelalter üblichen Namen "Cluj" angefügt.

Die Festung im Vauban-Stil errichteten die Habsburger 1716 nach der Niederschlagung des Kreuzaufstandes für ihre Garnison auf dem Schlossberg (rum. Cetatuia, ung. Fellegvar). Entworfen wurde die Zitadelle, deren Bau 20 Jahre dauerte, von dem italienischen Architekten Giovanni Morando Visconti.
1849 wurde der sächsische Pädagoge und Pfarrer Stephan Ludwig Roth, der sich als Humanist für die Rechte der Rumänen eingesetzt hatte, auf der Festung exekutiert.

Ab Ende des 19. sowie insbesondere im 20. Jahrhundert wurde die Festung zum Teil zur Gewinnung von Baumaterial für Häuser abgetragen. Im 19. Jh. haben die ärmeren Leute an der südlichen Seite Höhlenwohnungen gebaut, die bis Mitte des 20. Jh. existierten. Nach deren Auflösung wurde der Park angelegt. 1980 wurde auf dem Schlossberg das Hotel Belvedere (Hotel Transsylvania) erbaut.

Quellen:
- "Historische Stätten Siebenbürgen", herausgegeben von Harald Roth, Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 2003
- Liviu Stoica, Gheorghe Stoica & Gabriela Popa: „Castles & Fortresses in Transilvania: Cluj Country“. Clujonline, 2008 (übersetzt aus dem Englischen)
-
Csorba Csaba, Marosi Endre & Firon András: „Vártúrák Kalauza“, 1983 (übersetzt aus dem Ungarischen)
 

 


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